Über die Vielfalt an Primitivpflaumen

Die nachstehenden Primitivpflaumen haben als gemeinsame "Mutter" die Schlehe (Prunus spinosa). Diese hat sich auf natürliche Art und Weise mit der Kirschpflaume (vulgo Myroblane) gekreuzt, wodurch die Echte Krieche (Prunus insititia) entstanden ist. Die Echte Zwetschke ist aus einer Kreuzung zwischen Schlehe und einer - aktuell noch - unbekannten Art entstanden (man vermutet  Prunus cocomilia aus dem östlichen Mittelmeerraum). Aus weiterführenden Kreuzungen zwischen Zwetschke, Echter Krieche und Kirschpflaume sind die hier angeführten Primitivpflaumen entstanden. Um die Dringlichkeit für den Erhalt dieser Arten zu dokumentieren, haben wir auch die Anzahl der aktuell (2016) im Naturpark aufgefundenen Exemplare angegeben. Diese Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da einige Belege einer weiteren Untersuchung bedürfen und noch weitere Erhebungen folgen.

BIDLING

Rätselhaft ist die Entstehung des Bidlings (Prunus praecox), der “marillenartigen Zwetschke”: Der Trieb ist kahl, die Frucht gelb und länglich (“Eierpflaumen”). Auch der Kern ist länglich, aber nicht wie bei der Zwetschke mandelartig-halbmondförmig sondern mehr rundlich-sackförmig. Er kommt vorwiegend im Traunviertel vor und  wird wie die Marille verwendet.

Belege vom Bidling fanden wir auf der Großalm und In der Point sowie je eine Pflanze in Seewalchen und Fuchsberg (Reserve)

Aktueller Stand: 2 Exemplare im Naturpark

 

 

ECHTE KRIECHE

Die Echte Krieche (Punus insititia) ist vermutlich schon älter als die uns bekannte Zwetschke. Das belegen Funde von Steinkernen aus der Bronzezeit, die im Zuge von Grabungen an den Pfahlbaustätten in der Schweiz und in Weyregg gefunden wurden. Auch aus Rumänien und Zypern stammen Funde. Der Trieb ist samtig behaart, die Frucht blau und kugelig. Das Fruchtfleisch ist gelb, wird bei Überreife aber rot.

Aktueller Stand:  > 10 Exemplare im Naturpark

 

PUNZE

Die Entstehung der Rundpflaumen, bei uns durch die Punze (Prunus rotunda) vertreten, ist noch nicht ganz klar. Der Trieb ist kahl, das Blatt fast rundlich. Die Frucht ist rund und blau, Kern flach und rund (erinnert an eine Münze). Die Punze ist ideal für Kuchen, da das Fleisch beim Erhitzen nicht säuerlich sondern noch süßer wird.

Belege von der Punze wurden in Schörfling und Weyregg (keine Früchte 2016, daher nicht 100 % sicher!) gefunden.

Aktueller Stand: 2 Exemplare im Naturpark

 

 

ROTZWETSCHKE

Aus einer Kreuzung zwischen Krieche und Zwetschke entstanden ist die, zur Art gewordene Hybride der Rotzwetschke (Prunus oxycarpa). Sie gehört zur Gruppe der Halbzwetschken. Sie vereinigt Merkmale der Zwetschke (Frucht länglich) mit denen der Krieche (Trieb samtig behaart, früher reifend, Fleisch wird beim Erhitzen nicht säuerlich). Die Frucht ist rot.
Belege der Rotzwetschke sind aus Weyregg und Steinbach (einige Bäume trugen keine Früchte, werden 2017 untersucht).

Aktueller Stand: > 5 Exemplare im Naturpark

 

 

ROTER SPILLING

Der Spilling (Prunus pomariorum) auch Spänling genannt, wird vermutlich aus einer Kreuzung zwischen Rotzwetschke und Kirschpflaume entstanden sein. Mehrere Merkmale deuten auf eine enge Verwandtschaft zur Kirschpflaume (bei uns oft Krüherl, Kriacherl genannt). Es gibt auch blaue und gelbe Varianten davon, letztere finden sich relativ häufig im oberen Murtal.
Belege des Spillings stammen vom Grasberg und aus Steinbach (keine Früchte 2016) sowie aus Fuchsberg bei Ungenach.

Aktueller Stand: 2 Exemplare im Naturpark

 

 

ZIPARTE

Die Ziparte (Prunus prisca) kommt eher an der Traunseeseite vor (auch im oberen Mühlviertel und am Bodensee). Sie dürfte das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Echter Krieche und Kirschpflaume sein. Der Trieb ist kahl, die Frucht blau und kugelig, das Fleisch geht nicht vom Kern. Die Früchte hängen fast wie Trauben gebündelt am Baum und sind gut zum Naschen!
Belege der Ziparte wurden in Neukirchen, in Altmünster, am Richtberg und in Steinbach gefunden.

Aktueller Stand: > 10 Exemplare im Naturpark

 

 

ZWISPITZ

Rotzwetschke und Kirschpflaume haben sich vermutlich zum Zwispitz (Prunus bisacuminata) gekreuzt. Dieser wird von den Baumbesitzern oft auch als “Zipachten" bezeichnet. Der Trieb ist schwach behaart. Auffällig ist die schmale, doppelt zugespitzte, stark bereifte, blaue Frucht, die nicht vom Kern geht. Diese Doppelspitzigkeit spiegelt sich auch im Kern wieder.
Belege vom Zwispitz wurden nur in Weyregg und Steinbach gefunden.

Aktueller Stand: 2 Exemplare im Naturpark

 

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