ARGE Besucherlenkung

Eine regionale Arbeitsgruppe mehrerer Interessensgruppen 
für ein respektvolles Miteinander zwischen Mensch und Natur

Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Besucherlenkung wurde im Herbst 2020 gegründet. Vertreter der Grundbesitzer, der Naturparkgemeinden, der Jagd und des Forstes, der Tourismusverbände und Regionalentwicklungsvereine sowie Vertreter des Freizeitsportes arbeiten gemeinsam an Lösungsansätzen für bekannte Konfliktsituationen wie wildes Parken, wildes Biken, Störung von Weide- und Wildtieren sowie Hinterlassenschaften jeder Art.

Bei Begehungen am Häferlberg, Gahberg, Gmundnerberg, Grasberg, Kollmannsberg, Richtberg und Taferlklause im Herbst/Winter wurden häufig genannte Konflikte verortet und mögliche Maßnahmen zur Lösung besprochen.
Es gibt regelmäßige Treffen (während der Lockdowns online-meetings), um sowohl über aktuelle Entwicklungen zu berichten als auch fachliche Impulse (z. B. Waldökologische Raumplanung, Mountainbiken) zu diskutieren.

Als baulich-technische Maßnahmen wie z. B. Schaffung von zusätzlichen Parkmöglichkeiten, Aufstellen von Übersichts- und Hinweistafeln sind auch die Themen sanitäre Infrastruktur an Ausflugszielen (z. B. WC), sowie Verlegung kurzer Teilstücke von Wanderwegen beraten worden.

Parallel dazu werden die bestehenden Wege (ausgewiesene Rad- und Wanderwege) in einem Kartendokument (Wegeinventur) aktualisiert. Auf Basis dieser Grundlagen will die ARGE eine waldökologische Raumplanung erstellen, um Nutzungskonflikte zwischen Bewirtschaftern, Naturnutzern und Tierwelt zukünftig zu minimieren.

Weidetiere sind keine Kuscheltiere - von Clemens Schnaitl

Den Bäuerinnen und Bauern, die mit viel Einsatz und Idealismus unsere vielfältige Kulturlandschaft bewirtschaften und hochwertige Lebensmittel erzeugen, ist es ein großes Anliegen, dass Wanderer und Radfahrer auch Verständnis für die Bewirtschaftung entwickeln. So kann eine verträgliche Nutzung unserer Naturpark-Landschaft durch alle Beteiligten gelingen.

Während einer Wanderung z. B. auf den Gahberg, den Miglberg oder die Kreuzing-Alm kann es Ihnen durchaus passieren, dass Sie auf Weidevieh stoßen. Kühe, Schafe, Pferde und Ziegen werden zwar als "Haustiere" bezeichnet, sind aber nur an "ihre" Bäuerin, "ihren" Bauern gewohnt. Mit diesen sind sie vertraut und kennen sich schon von Geburt an. Wie wir Menschen auch manchmal Tage und Zeiten haben, an denen wir für unsere Mitwelt ungenießbar und sensibler sind, so gibt es das auch bei den Tieren wie z. B. zur Zeit der Nachwuchspflege oder wenn Kühe sich bedrängt fühlen. Vor allem wirkt ein Hund - und sei er noch so klein - wie ein Feind, der die Herde oder den Nachwuchs bedroht. Dementsprechend massiv reagieren dann die Mutterkühe oder das Leittier der Herde und greifen den vermeintlichen Feind an. Wir alle kennen schon solche Vorfälle. 

Im Fernsehen oder in Bilderbüchern wird leider oftmals ein verklärtes Bild über Weidetiere vermittelt. Da wird gestreichelt, gekrault, geknuddelt und gefüttert, als ob Kuh, Ziege und Schaf kuschelige Spieltiere wären. Es ist schön, für die tierische Mitwelt mitzufühlen und deren Leistungen für uns Menschen als "Lieferant" von Milch und Fleisch zu würdigen. Es gibt jedoch geeignetere Möglichkeiten, seinen Dank und seine Wertschätzung auszudrücken, zum Beispiel durch den Kauf und Genuss von regionalen bäuerlichen Produkten. Denn so fördert jeder von uns den Erhalt der kleinbäuerlichen Strukturen und damit eine tiergerechte Haltung und darüber hinaus wird auch die vielfältige Landschaft gepflegt, die wir so gerne durchwandern.

Wir möchten Sie daher ersuchen, die Arbeit der Bauern wertzuschätzen und auf deren Grundbesitz Rücksicht zu nehmen! Durch das Einhalten der nachfolgenden Verhaltensregeln unterstützen auch Sie ein Respektvolles Miteinander im Naturpark.

  • Benutzen Sie nur markierte Wander-, Rad- und Reitwege und halten Sie Respektabstand zu Weide- und Wildtieren! 
  • Versperrt ein Weidevieh den Wanderweg, umgehen Sie es bitte mit möglichst großem Abstand und füttern Sie es nicht!
  • Verhalten Sie sich ruhig und vermeiden Sie es, das Weidevieh in Schrecken zu versetzen!
  • Führen Sie Ihren Hund stets an der kurzen Leine und vermeiden Sie die Begegnung von Muttertieren und Hunden!
  • Sofern ein Angriff durch ein Tier erkennbar ist, leinen Sie Ihren Hund sofort ab!
  • Verlassen Sie umgehend die Weidefläche bei Anzeichen von Unruhe in der Herde!
  • Weichen Sie aus wenn sich ein Tier nähert aber kehren Sie den Weidetieren nicht den Rücken zu.
  • Überqueren Sie Weideflächen zügig und schließen Sie die Gatter wieder beim Verlassen der Weide.
  • Auf Wiesen und Weiden wächst auch Ihr Essen. Hundekot verschmutzt Futter und kann zu Krankheiten führen.

 

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Ökosystem Wald - Lebensraum unter Druck - von Roman Auer

Die aktuelle Situation schränkt unsere Mobilität derzeit in besonderem Maße ein. Die meisten Menschen verzichten aus unterschiedlichen Beweggründen auf Reisetätigkeiten ins nahe oder ferne Ausland. Naherholungsräume werden daher neu entdeckt und stark frequentiert - gemütlich zu Fuß, sportlich als Nordic Walker, mit dem Rad oder dem E-Bike. Im Umkreis von 25km rund um den Naturpark sind 65 Gemeinden und 3 Städte angesiedelt. Das sind etwa eine Fünftel Million Menschen. Für viele ist der Naturpark Attersee-Traunsee das erste größere Waldgebiet, das sich für die verschiedenen individuellen Tätigkeiten eignet.

Dass eine solche Menge von Erholungssuchenden nicht ohne Auswirkungen auf den Lebensraum Wald bleibt, liegt auf der Hand. Genau diese Auswirkungen wurden in einer Studie von Samuel Auer BSc. an der Universität für Bodenkultur untersucht. Die Forschungsfrage befasste sich mit der Auswirkung von illegal benutzten Forststraßen auf die umliegenden Lebensräume. Die Ergebnisse sind dramatisch! Eine Schweitzer Studie belegt, dass Rehe den Raum links und rechts eines stark genutzten Weges in der Distanz von durchschnittlich 160m als permanenten Lebensraum meiden. Sie halten sich zwar durchaus kurzzeitig darin auf, stehen dort aber unter Stress und ziehen sich schnell wieder in die weiter entfernten Zonen zurück. Unter diesem Aspekt ist es durch eine gezielte Besucherlenkung möglich genug Restlebensraum für eine ungehinderte Waldentwicklung zu bewahren (siehe Bild 1).

Ein erhebliches Problem entsteht aber durch die unkontrollierte Nutzung von nicht für den Tourismus freigegebener Wege. Laut der vorliegenden BOKU-Studie ist die Frequenz der Radfahrer dort nämlich mindestens gleich hoch wie auf den erlaubten – mit dramatischen Konsequenzen für den Wald! Die Tierwelt wird auf ein Minimum der Waldfläche konzentriert (siehe Bild 2) und gefährdet dort jegliche natürliche Reproduktion des Waldes. Eine Totalreduktion aller Pflanzenfresser wäre für einige vielleicht naheliegend, würde aber zu derzeit nicht absehbaren Folgen und langfristig wohl zu einer weiteren Destabilisierung des Ökosystems führen. Zu wenig sind die Abhängigkeiten erforscht. Die Lösung kann also nur in einer Koexistenz zwischen Mensch und Wald in Form einer überlegten Besucherlenkung zu finden sein!

Die meisten Menschen fühlen sich zu dieser Thematik aber kaum angesprochen, sie sehen darin lediglich forstliche und eventuell jagdliche Probleme, nichts aber was die eigene Lebenswelt betrifft! Und genau darin liegt ein massiver Irrtum vor!
Wir leben derzeit nicht nur in einer Zeit in der ein Virus uns in Atem hält, sondern auch in einer gefährlichen Lebensraumveränderung. Der menschengemachte Klimawandel stellt uns vor Fakten deren tatsächliche Auswirkungen wir derzeit kaum absehen können. Einen Vorgeschmack haben wir gerade in Trockenjahren, Sturmkatastrophen und Borkenkäfer-Kalamitäten erlebt. Unser Fichten-lastiger Wald kann der zunehmenden Erwärmung der Atmosphäre nicht mehr standhalten. Ein Phänomen das seit Jahrzehnten vorausgesehen, aber bislang meist ignoriert wurde. Im wahrsten Sinne des Wortes angeheizt wird die Erderwärmung zusätzlich durch die unkontrollierte Rodung des tropischen Regenwaldes, der „Lunge“ der Erde.

In Anbetracht dieser weltweiten ungebremsten Waldvernichtung werden wir zunehmend gezwungen sein, unsere lokalen Waldlebensräume neu zu bewerten und für die Zukunft zu rüsten. Nur ein stabiles, funktionierendes, artenreiches Ökosystem hat eine Chance den Klimawandel zu kompensieren. Wald wird künftig nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sein, sondern elementare Funktionen unserer Existenz übernehmen müssen: Wasserspeicher, Klimakompensation und Erholungsraum!
Jeder, der sich im Wald bewegt, trägt dafür Verantwortung, ob bzw. wie gut und wie schnell die Stabilisierung des Ökosystems Wald voranschreitet. Es wird künftig neben einer massiven Informationskampagne ein Regelwerk brauchen, das den Wald als Erholungsraum zugängig macht, aber auch abseits der menschlichen Aktivitätszonen ausreichend Refugien für die Entwicklung eines stabilen Lebensraumes bietet. Ohne funktionierende artenreiche Wälder steht die Existenz des Menschen auf dem Spiel – machen wir uns das bewusst!

Bild1

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Bild2

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Bild3

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Bild 1: Eine durchdachte kanalisierte Freigabe von Wegen für menschliche Aktivitäten erhält genug Restlebensraum für eine ungestörte Waldentwicklung.
Gelb: freigegebenes Wegenetz inklusiv der 160m Zone, die von Wild gemieden wird.

Bild 2: Durch die unkontrollierte Nutzung von Wegen werden zahlreiche Wildtiere auf inselartige Kleinst-Refugien konzentriert. Die Stabilität des Ökosystems Wald wird empfindlich gestört!
Gelb: frei gegeben Wege; rot: trotz Fahrverbot stark benutzte Wege.

 

 

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