Der Steinkrebs
Der Steinkrebs ist die kleinste Flusskrebsart Europas. Er besiedelt Fließgewässer, die frei von organischer Belastung und Abwässern sind. Er kommt auch in Uferbereichen von höher liegenden Seen vor. Auf organische und chemische Verschmutzung reagiert er empfindlich.
Die Steinkrebse sind meist braun bis oliv gefärbt, können aber von beige bis hellbraun variieren. Seine auffälligen Scheren dienen dem Fangen und Festhalten von Nahrung und dem Bau von Verstecken zur Verteidigung. Wie viele Flusskrebse besitzen auch die Steinkrebse einen Geschlechtsdimorphismus, die Männchen sind mit kräftigeren Scheren ausgestattet.
Während des Wachstums häuten sich die Tiere, indem sie ihren harten Panzer abwerfen und neu Bilden. Zu dieser Zeit sind sie besonders angreifbar für Fressfeinde. Steinkrebse beseitigen kranke Fische und verhindern so die Verbreitung von Krankheiten – die Gesundheitspolizei der Fließgewässer.
(de.wikipedia.org/wiki/Steinkrebs und www.land-oberoesterreich.gv.at)

Der Steinkrebs
SteckbriefDer Steinkrebs
Größe: bis zu 12 cm
Farbe: grau bis grünlich brauner Körper, die Scherenunterseiten sind gelb bis weiß gefärbt
Lebensraum: kühle, kleine Bäche mit grobsteinigem Substrat
Nahrung: abgestorbenes Pflanzenmaterial, tote Fische, Insektenlarven etc.
Projekte rund um den Steinkrebs
Auf den Spuren der Flusskrebse: Steinkrebsexkursionen im Naturpark Attersee-Traunsee
Ein intakter Bach braucht starke Partner an Land: Unter diesem Motto erforschten Schüler:innen der Naturparkmittelschule Schörfling gemeinsam mit einem echten Flusskrebsexperten unsere Gewässer vor der Haustüre. Im Mittelpunkt stand die neu errichtete Flusskrebssperre zum Schutz des heimischen Steinkrebses (Austropotamobius torrentium). Im Anschluss folgte eine zweite Exkursion mit wasserbegeisterten Erwachsenen.
Die Exkursionen starteten bei der Ager-Insel, wo die verschiedenen heimischen Flusskrebsarten vorgestellt wurden. Die Theorie wurde schnell zur Praxis: Im Totholz des Baches entdeckten die Schüler:innen einen nordamerikanischen Signalkrebs. Seine Ausbreitung bedroht unsere heimischen Flusskrebsbestände massiv. Während die gebietsfremde Art selbst weitgehend resistent gegen den tödlichen Krebspest-Pilzerreger ist, haben unsere heimischen Flusskrebse (wie Steinkrebs oder Edelkrebs) nach einer Infektion kaum Überlebenschancen. Da die großen Gewässer, wie die Ager bereits flächendeckend vom Signalkrebs besiedelt sind, besteht eine permanente Gefahr für die sauberen Oberläufe – die letzten sicheren Rückzugsorte unserer Steinkrebse.
Vorstellung der neuen Flusskrebssperre am Steinbach
Nach einer kurzen Wanderung erreichten die Gruppen die neue Flusskrebssperre am Steinbach bei Niederham. Eine Flusskrebssperre ist eine spezielle Metallverblendung an einem bereits bestehenden Absturzbauwerk. Die glatte Oberfläche verhindert, dass die gebietsfremden Signalkrebse in die Oberläufe aufsteigen können. So soll die Einschleppung der Krebspest gestoppt werden. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie durch technische Innovation aktiver Artenschutz direkt vor der Haustür betrieben werden kann.
Wichtigster Faktor: Gewässerhygiene
Die bauliche Sperre kann zwar die wandernden Signalkrebse aufhalten, gegen die Verbreitung der unsichtbaren Pilzsporen helfen jedoch vor allem Verhaltensregeln für uns Menschen – als unbewusste Überträger durch feuchte Ausrüstung:
- Hygienemaßnahmen einhalten: Gummistiefel, Angel-, Tauch- und Wassersportausrüstungen sollten nach jedem Gewässerwechsel gründlich gereinigt und vollständig getrocknet werden (mind. 24 h). Nur so sterben die Sporen ab.
- Kein Aussetzen fremder Arten: Heimische Gewässer sind kein Entsorgungsort für gebietsfremde Wasserpflanzen, Aquarien- oder Gartenteichbewohner. Eine echte Gefahr!
Im Naturpark Attersee-Traunsee finden die stark gefährdeten Steinkrebse in den kühlen Oberläufen ihre letzten Rückzugsorte. Durch Achtsamkeit verhindern wir die weitere Ausbreitung von Krankheitserregern in bisher sichere Gebiete.
Ein Dankeschön an die begeisterten Schüler:innen der MS Schörfling sowie an alle Teilnehmenden für ihren Einsatz und ihr Interesse für den regionalen Artenschutz! Gemeinsam tragen wir Sorge für intakte Gewässerlebensräume.
Die Veranstaltungen wurden gefördert durch das Land Oberösterreich und die Europäische Union.
Auf der Suche nach den scharfen Zangen
Ein Bericht von Samuel Auer
Der Naturpark Attersee-Traunsee beheimatet flächendeckend einen der besten Steinkrebsbestände (Austropotamobius torrentium) in Österreich Das zeigen die Ergebnisse eines umfassenden Monitorings, welches vom technischen Büro für Gewässerökologie blattfisch e U im Jahre 2022 durchgeführt wurde.
Der Steinkrebs ist leider einer großen Bandbreite an Stressoren ausgesetzt – allen voran der Krebspest, eine aus Nordamerika eingeschleppte Pilzkrankheit, die für den drastischen Rückgang der Populationen heimischer Flusskrebse verantwortlich ist Aber auch andere Gefährdungen wie Lebensraumverlust, die Einwanderung nicht heimischer Flusskrebsarten (v a Signalkrebs) oder intensive Land- und Forstwirtschaft sorgen dafür, dass der Steinkrebs eine in Europa stark gefährdete Art geworden ist.
Aufgrund seines hohen Schutzstatus (FFH-Anhang II und V, Berner Konvention Anhang III und Rote Liste Österreich), seinem historischen Vorkommen und seiner wichtigen Funktionen im Ökosystem Wasser, wird er jedoch als besonders schützenswerte Art gehandelt Er verdient sich dadurch die Bezeichnung einer ‚keystone species‘ – eine Art, dessen Schutz und Erhalt positive Effekte auf den gesamten Lebensraum und der darin lebenden Arten bewirkt.
Mit dem Steinkrebsmonitoring im Naturparkgebiet inklusive angrenzender potenziell besiedelter Gewässer wurden insgesamt rund 80 Bäche untersucht In jedem vierten ist eine Steinkrebspopulation beheimatet. Neben wichtigen Umweltparametern wurde auf Basis der Erhebung wichtiger Indikatoren wie Lebensraum, Bestandsdichte, Bestandsstruktur oder Gefährdungsstatus der Erhaltungszustand der jeweiligen Populationen bewertet Dieser stellte in weiterer Folge die Grundlage für die Erstellung eines Managementmaßnahmenkatalogs dar, der den langfristigen Schutz und Erhalt der Steinkrebsbestände im Naturpark Attersee-Traunsee sicherstellen soll.
Um das Bewusstsein für die Thematik Flusskrebse in der Region zu stärken, werden im Rahmen dieses Projekts auch Workshops (Expertenführungen) veranstaltet Die Einbindung der Bevölkerung und die Vermittlung der Thematik spielt im Kampf gegen den Rückgang der Bestände eine wesentliche Rolle, denn zum Schutz der heimischen Steinkrebspopulationen kann jeder beitragen, und sei es lediglich die Meldung zufällig gefundener Krebse (samuel auer@blattfisch at, www blattfisch at).
Krebssperren im Naturpark
Der Biodiversitätsfonds
Flächenverbrauch sowie Intensivierung der Landnutzung, Klimawandel und viele andere Faktoren, haben zu einem massiven Verlust an Biodiversität geführt. Das heißt, die natürliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren sowie ein großer Teil ihrer Lebensräume sind gefährdet bzw. bereits verloren gegangen. Erhalt der Vielfalt in Österreich braucht verstärkte Maßnahmen auf lokaler und überregionaler Ebene. Genau dafür gibt es den österreichischen Biodiversitätsfonds. Der Biodiversitätsfonds unterstützt Projekte von privaten Personen, Organisationen (z. B. NGOs), Betrieben, Kommunen sowie von anderen juristischen Personen mit bis zu 100 Prozent der förderungsfähigen Kosten. Das Gesamtfördervolumen für den Schutz und die Zurückgewinnung der natürlichen Vielfalt beträgt derzeit 80 Millionen Euro. (Text von biodiversitätsfonds.com)
Vom Verband der Naturparke Österreich
Mit dem geplanten Projekt „Landschaften voller Leben“ nutzen und bündeln elf Naturparke aus sechs Bundesländern gemeinsam mit dem VNÖ die Kraft ihres Netzwerks. Sie alle verfügen über Managements mit vielfältigen und langjährigen Erfahrungen im integrativen Naturschutz und planen die Umsetzung von 15 Vorhaben zum Schutz der Biodiversität und Förderung der Lebensraumvernetzung. Diese Maßnahmen werden auf insgesamt 62 Flächen mit einer Gesamtgröße von 71,4 ha wirksam. Die vorgesehenen Maßnahmen zielen vor allem auf den Schutz gefährdeter Arten und ihrer Lebensräume ab. In sieben Naturparken werden auf 33 Standorten (53,7 ha) spezielle Aktivitäten umgesetzt, wovon z. B. der Hirsch- und Juchtenkäfer, Rote Apollo, Steinkrebs und Zwergohreule profitieren. Zudem sind acht Maßnahmen in sechs Naturparken geplant, welche die Wiederherstellung von prioritären, beeinträchtigten Ökosystemen betreffen. Hierzu zählen Vorhaben in drei Mooren, 23 Feuchtgebieten und auf drei Sonderstandorten mit einer Gesamtfläche von 17,7 ha. Bei allen im Rahmen des gegenständlichen Projekts vorgesehenen Maßnahmen stellt die Lebensraumvernetzung einen wichtigen Schwerpunkt dar. (Text vom Verband der Naturparke)
Krebssperren im Naturpark
Die Oberläufe des Steinbachs in Schörfling a. Att. sind mit sehr guten Steinkrebsbeständen besiedelt. Aufgrund der direkten Verbindung mit der Ager als Vorfluter besteht jedoch die unmittelbare Gefahr der Einwanderung von Signalkrebsen und damit die Einschleppung der Krebspest. Mit der Errichtung einer Flusskrebssperre soll die potentielle Einwanderung nicht-heimischer Flusskrebsarten von der Ager in die Oberläufe des Steinbaches unterbunden werden und damit den langfristigen Schutz der heimischen Steinkrebspopulationen vor der Krebspest garantieren. Das Projekt trägt zur Vernetzung von Lebensräumen bei, da die Errichtung einer Flusskrebssperre die gesamten Steinkrebsbestände der Oberläufe inkl. seiner Zubringer schützen würde und damit eine flächendeckende Besiedlung einer wichtigen FFH-Art in einem vernetzten Flusssystem garantiert.
Mit Unterstützung des Biodiversitätsfonds, finanziert von der Europäischen Union – NextGenerationEU und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft






















